BRAZIL - Neues aus der Serie 5 Original Albums

BRAZIL ... wird spätestens ab dem Sommer 2014 im Mittelpunkt des weltweiten Interesses stehen, wenn dort erst die Fußball-Weltmeisterschaft ausgespielt wird und dann - zwei Jahre darauf - auch noch die große Olympia-Karawane Halt in Rio De Janeiro macht. Musikliebhaber freilich haben schon immer mindestens ein Ohr gehabt für Bossa Nova und Samba und all die wunderbaren Stil-Verästelungen, die sich daraus ergaben. Drei der wichtigsten Protagonisten dieser modernen brasilianischen Musik stellen sich hier noch einmal vor.

ELIS REGINA
Musiker und Journalisten nannten sie - in Anspielung auf ihr nicht immer einfaches Temperament - „Hurricane" oder „Little Pepper". Und doch standen selbst die renommiertesten Songschreiber Brasiliens Schlange, um sie wenigstens eins ihrer Werke singen zu hören. Elis Regina war in ihrer Heimat zweifellos die wichtigste und populärste Stimme ihrer Zeit. Bis ihre Zeit viel zu früh ablief: Nach nicht mal 37 Lebensjahren starb die in Porto Alegre in bescheidene Verhältnisse geborene Sängerin im Januar 1982 an einem toxischen Cocktail aus Alkohol, Kokain und Beruhigungsmitteln. Trauer und Entsetzen waren groß in Brasilien, mehr als 100.000 Menschen erwiesen ihr in Sao Paulo die letzte Ehre. Regina teilte nicht nur den vorzeitigen Rock'n Roll-Tod mit einer prominenten US-Kollegin. Auch die Präsenz und Dynamik ihres Bühnenauftritts, die sie trotz regelmäßig hohen Lampenfiebers entwickelte, erinnerte - bei allen musikalischen und stilistischen Unterschieden - schon ein wenig an Janis Joplin. Legendär wurde etwa ihr Auftritt 1965 beim ersten großen Musikfestival in Rio De Janeiro, wo Elis Regina das kontroverse „Arrastao" in Jesus-Pose nur unter Tränen zu Ende brachte. Da war sie gerade 20 und danach die bestbezahlte Sängerin ihres Landes. Ihr frühes Ableben war dann umso tragischer, als sie zu diesem Zeitpunkt kreativ noch keineswegs ausgebrannt schien. Im Gegenteil: Elis Regina, die zugleich die Bossa Nova mitgeprägt und sich doch auch als „Königin der MPB" (Música Popular Brasileira) souverän von ihr emanzipiert hatte, bewies gerade auf den späten Alben wie „Essa Mulher", „Saudade Do Brasil" oder „Elis For Ela" ihre enorme künstlerische Wandlungsfähigkeit. Songs wie „Black Is Beautiful", „Madalena" oder „Maria Maria" gehören in jede Sammlung, die unter dem Stichwort „Brasilien" gut sortiert sein will.

GILBERTO GIL
Musikalische Innovation und politische Passion - dafür steht der 70-jährige Sänger und Songschreiber aus Salvador, der seinem Land zwischen 2003 und 2008 auch ganz offiziell als Kulturminister diente. Gemeinsam mit Kollegen wie Caetano Veloso hatte Gilberto Gil in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre als Pionier der Tropicália-Bewegung die Verschmelzung genuin brasilianischer Stile wie Samba und Bossa Nova mit Elementen aus Folk- und Rock-Musik vorangetrieben. Die Mischung kam der damaligen Militär-Regierung in Brasilien so revolutionär vor, dass sie Gil erst in den Knast steckte und dann vorübergehend ins britische Exil trieb, wo er u.a. mit Pink Floyd oder The Incredible String Band arbeitete. Der luftige Brasil-Pop von „Refazenda" (1975) etablierte Gilberto Gil nach seiner Rückkehr endgültig als Star im eigenen Land, bevor er zwei Jahre später auf „Refavela" auch afrikanische Sounds und Rhythmen für sich entdeckte. Nicht nur der Titelsong - natürlich eine Referenz an die Favelas, die Slums im Umfeld brasilianischer Großstädte - gehört bis heute zu seinen schönsten Stücken. Ganz andere musikalische Einflüsse kultivierte Gil dann 1979 auf dem Album „Realce", welches den Disco-Zeitgeist in Songs wie „Sarará Miolo" und „Toda Menina Baiana" aufnahm ohne seine Samba-Wurzeln zu kappen („Rebento"). „Nao Chore Mais", ein Cover des von Bob Marley popularisierten „No Woman, No Cry", war ein No.1-Hit in Brasilien und nahm zugleich die Zusammenarbeit mit Marley's Band The Wailers auf dem Album „Raca Humana" (1984) vorweg. Knapp zwei Dekaden später erwies Gilberto Gil dann dem Meister selbst seine Referenz. Auf „Kaya N'Gan Daya" klingen Bob Marley-Klassiker wie "Positive Vibration", "Three Little Birds" oder der Titelsong, als hätten sie schon immer nach Brasilien gehört - obwohl Gilberto Gil es sich nicht nehmen ließ, das Tribute-Album 2002 in den legendären Tuff Gong-Studios auf Jamaica und mit den Backing-Stimmen der I-Threes einzuspielen, darunter auch Marley-Witwe Rita. Und dann wurde Gilberto Gil erstmal Minister...

MILTON NASCIMENTO
Seine musikalische Laufbahn begann schon früh, als das Adoptiv-Kind in der kleinen Radiostation des Vaters als Teenager Platten auflegen durfte. Doch richtig los ging es für Milton Nascimento 1966, als die große Elis Regina erst seinen Song „Cancao da Sal" aufnahm und ihn dann auch noch in einer populären TV-Show vorstellte. Fast dreißig Jahre später feierte der notorische Optimist seinen Einstand bei Warner Brothers gleich mit einem Grammy-nominierten Album. „Angelus" bestätigte den künstlerischen Status von Milton Nascimento 1994 nicht nur mit einer imposanten Transatlantik-Gästeliste. Peter Gabriel ist in „Qualquer Coisa A Haver Com O Paraiso" zu hören, James Taylor in einem tollen Remake seines „Only A Dream In Rio". Auf der Jazz-Seite gibt sich Nascimento's alter Buddy Wayne Shorter die Ehre, und die Neuauflagen seiner Klassiker „Vera Cruz" und „Novena" profitieren von einem Top-Quintett mit u.a. Pat Metheny und Herbie Hancock. Nach dem Live-Album „Amigo", das ihn samt großem Orchester und Kinder-Chören präsentiert, ging's auf dem programmatisch-schlicht betitelten „Nascimento" auch mal wieder eine Nummer kleiner und brasilianischer. Packende Percussion-Rhythmen geben dem Album Halt und Dynamik, während der Songwriter Nascimento mit „Rouxinol" oder „Louva-A-Deus" einige seiner besten Stücke seit langem offeriert. Emotionaler Höhepunkt ist eine bewegende Vocal-Interpretation von Wayne Shorter's „Ana Maria", als letzter Gruß an die tödlich verunglückte Frau des Freundes. Sein eigenes Ende beschäftigte Nascimento nach einer schweren Erkrankung auf „Tambores De Minas", ein weiteres Live-Album (diesmal aus Sao Paulo), das in „O Que Foi Feito Devera" gleich mit einer Verbeugung vor seiner Mentorin Elis Regina aufwartet. „Pietá" führte Milton Nascimento nach längerer Pause 2003 u.a. mit Eumir Deodato und wieder mit Hancock und Metheny zusammen, führte mit Stücken wie „Tristesse" aber vor allem vor, dass der Mann nach wie vor das gewisse Songschreiber-Etwas hat.
ELIS REGINA: Original Album Series
(Essa Mulher / Saudade Do Brasil / Saudade To Brazil, Vol. 2 / Elis For Ela / Elis Vive)
5CD Edition
UPC 2564653294

GILBERTO GIL: Original Album Series
(Realce / Raca Humana / Refazenda / Rafaela / Kaya N`Gan Daya)
5CD Edition
UPC 2564652221

MILTON NASCIMENTO: Original Album Series
(Nascimento / Amigo / Angelus / Pietá / Tambores DeMinas)
5CD Edition
UPC 2564651938

VÖ-Datum: 1.2.2013

 


Kontakt:
Medienagentur
E-Mail



Zurück


 
 Sie benutzen den veralteten Internet Explorer 6. Bitte verwenden Sie Mozilla Firefox oder Internet Explorer 8