Fusion - Neues aus der Serie 5 Original Albums

FUSION... hieß das Zauberwort. Darunter tummelten sich in den 70er-Jahren vor allem (aber nicht nur) US-Musiker, die mutig Brücken zwischen Jazz, Rock, Pop, Funk und Soul beschritten, die man vorher für nicht mal baubar hielt. Voila, hier sind drei wichtige Solo-Künstler sowie eine Band mit jeweils fünf essenziellen Alben aus dieser spannenden Zeit...

JEAN-LUC PONTY
Der heute 70-jährige Geiger aus Avranches, Frankreich war nach seiner Zeit mit George Duke und Frank Zappa's Mothers Of Invention noch Mitglied des Mahavishnu Orchestra von John McLaughlin, als er Anfang 1975 mit seinem Atlantic-Debüt „Upon The Wings Of Music" und dem noch im selben Jahr veröffentlichten Nachfolger „Aurora" eine der kreativsten Phasen seiner Karriere einläutete. Bis 1978 folgten drei weitere Alben, die der explosiven Seite von Fusion oft eine eher lyrische, vermeintlich „europäische" Lesart entgegensetzten. Ausgeklügelte Kompositionen, die etwa im Titelstück von „Imaginary Voyage" auch schon mal in einer vierteiligen, 20-minütigen Suite gipfeln konnten, standen inspirierten Improvisationen und energiegeladenem Ensemblespiel nicht im Weg. Country-Referenzen („New Country") hatten ebenso ihren Platz wie Funk-Exkursionen („The Art Of Happiness"). Dabei konnte sich Ponty in allen musikalischen Lagen auf seine Stammkräfte Darryl Stuermer (Gitarre), Patrice Rushen (Keyboards) und Tom Fowler (Bass) verlassen, ergänzt durch wechselnde Top-Schlagzeuger wie Ndugu oder Steve Smith. Der Franzose erwies sich zudem mit einem fünfsaitigen Instrument mit tiefer C-Saite als Pionier der E-Geige und scheute - etwa auf „Cosmic Messenger" - auch vor analogen Studio-Effekten nicht zurück. So stieg Jean-Luc Ponty mit diesen fünf Alben endgültig zum wichtigsten, einflussreichsten Jazz-Geiger neben Stéphane Grappelli auf. 

BILLY COBHAM
Der in Panama geborene Drummer gilt bis heute als das Non-Plus-Ultra in Sachen Fusion-Schlagzeug - kein anderer verbindet Rock-Aggressivität so schlüssig und atemberaubend mit der Komplexität des Jazz. Billy Cobham trieb bahnbrechende Werke von Miles Davis („Live-Evil") und des von ihm mitbegründeten Mahavishnu Orchestra („The Inner Mounting Flame", „Birds Of Fire") nach vorn, bevor er 1973 auf Atlantic zu seiner Solo-Karriere abhob. Mit „Spectrum" gelang ihm dabei gleich ein Klassiker, der bis heute nichts an Klasse eingebüßt hat, eingespielt in nur drei Tagen im Quartett mit Keyboarder Jan Hammer, Gitarrist Tommy Bolin und dem bis heute sehr gefragten Bassisten Lee Sklar. Das Stück „Stratus" überlebte auch als Sample im Massive Attack-Hit „Safe From Harm" - ein spätes Echo auf Cobham's eigene Experimente mit elektronischer Percussion. Für das komplett selbstkomponierte „Crosswinds" rekrutierte er 1974 Keyboarder George Duke, die Brecker-Brüder und Gitarrist John Abercrombie. Noch im selben Jahr gab Cobham auf „Total Eclipse" sein Piano-Debüt („The Moon Ain't Made Of Green Cheese") und trommelte sich solo zur „Last Frontier", während Abercrombie im Klassiker „Moon Germs" den Funk fand. Richtig funky wurde es dann aber erst 1975 auf „The Funky Thide Of Sings" (sic!), als John Scofield Gitarre spielte und Cobham mit dem Quasi-Titelstück „The Funky Kind Of Thing" sein vielleicht bestes Solo verewigte. Das Album „Shabazz" schließlich präsentiert Billy Cobham und seine Total Eclipse-Band live in Montreux auf der Höhe ihres Könnens mit zwei neuen Kompositionen (Titelstück, „Tenth Pin") sowie spannend improvisierten Neuauflagen der „Spectrum"-Stücke „Taurian Matador" und „Red Baron".

MICHAEL FRANKS
Der belesene Kalifornier mit Literatur-Abschluss an der UCLA hatte bereits ein Anti-Kriegs-Musical („Anthems in E-Flat"), Filmmusik („Zandy's Bride" mit Liv Ullmann und Gene Hackman) sowie Songs für Sonny Terry & Brownie McGhee („White Boy Lost In The Blues") in seiner Kreativ-Akte, als er 1976 mit seinem Reprise-Debüt „The Art Of Tea" und jeder Menge FM-Airplay eine auch kommerziell erfolgreiche Nische zwischen Jazz-Feeling und Pop-Songwriting für sich schaffen konnte. Luftig-verspielte Franks-Songs wie „Popsicle Toes" und „Eggplant" hätten auch ins Repertoire von Steely Dan gepasst, doch sein sinnlich-suggestiver Vortrag und die Studio-Klasse von Bassist Wilton Felder, Gitarrist Larry Carlton oder den Bläsern Michael Brecker und David Sanborn ergaben eine ganz eigenes Erfolgsrezept. Das variierte er schon mit dem Nachfolger spektakulär, als der Arrangeur Claus Ogerman „Sleeping Gypsy" üppig orchestrierte und Franks brasilianische Musik für sich und damit auch für sein US-Publikum entdeckte, gipfelnd in einer wunderbaren Hommage an Antonio Carlos Jobim („Antonio's Song"). Doch zwischen all‘ der romantischen Eleganz kam auch sein Humor nicht zu kurz („B'wana-He No Home"). Mit Produzent Eumir Deodato knüpfte Michael Franks auf „Burchfield Nines" wieder eher an „The Art Of Tea" an und brachte die erotisch aufgeladene Stimmung jener Zeit mit dem sinnlichen Witz von "When the Cookie Jar Is Empty" oder "Wrestle a Live Nude Girl" perfekt auf den Punkt. Mit dem wieder experimentelleren Album „Tiger In The Rain" ließ Franks die 70er-Jahre auf hohem Niveau ausklingen, bevor er die nächste Dekade mit „One Bad Habit" begrüßte. Dabei verdeutlichte vor allem der trocken beobachtete Titelsong, warum Michael Franks ein Publikum erreichen konnte, das weit über traute Jazz-Kreise hinausreichte.

TOWER OF POWER
Sie sind mit sage und schreibe fünf Original-Mitgliedern bereits im 45. Bandjahr, immer noch ein Live-Act, den man gesehen haben sollte, und haben von E (wie Elton John) bis R (wie Rod Stewart) Sessions für jede Menge Pop- und Rock-Größen gespielt. Doch die Quintessenz von Tower Of Power, das sind nach wie vor die Studio-Alben, welche die Bläser-Band aus Oakland in der ersten Hälfte der 70er-Jahre für die Warner-Brüder gemacht hat. Auf dem in Memphis eingespielten „Bump City" fanden die Bandleader Emilio Castillo (Tenor-Sax) und Stephen „Doc" Kupka (Bariton-Sax) 1972 erstmals in die richtige, eigene Spur zwischen Funk und Soul. Zur melodramatischen Single-Ballade „You're Still A Young Man" soll einst ein gewisser Prince seine Jungfräulichkeit verschenkt haben... Noch besser wurde es, als für „The Tower Of Power" mit Lenny Williams ein neuer Lead-Sänger einstieg, der gleichermaßen schmachten wie shouten und sich dabei noch mühelos gegen die explosivste Bläser-Sektion des Gewerbes behaupten konnte. Ihr bis dahin größter Hit „So Very Hard To Go" und der Klassiker „What Is Hip" schmückten das erste Gold-Album der Band in den USA. Diesen Erfolg konnte „Back To Oakland" trotz kostenloser Cover-Werbung für die Heimatstadt nicht ganz wiederholen, auch wenn Williams hier nicht nur mit der Ballade „Time Will Tell" eine Top-Performance ablieferte. „Urban Renewal" hielt diese hohe Qualität auch 1974 und brachte mit „Only So Much Oil In The Ground" eine zeitkritische Nummer (zur damaligen Energie-Krise), die sich als erstaunlich zeitlos erweisen sollte. „In The Slot" schließlich präsentierte in Hubert Tubbs einen neuen Sänger, der nicht ganz die stilistische Bandbreite seines Vorgängers entwickelte, aber bei „Drop It On The Slot" oder „On The Serious Side" bestens aufgehoben war. Und die unschlagbaren Bläser waren ja ohnehin immer mehr als die halbe Miete bei Tower Of Power...

BILLY COBHAM: Original Album Series
(Spectrum / Crosswinds / Total Eclipse / A Funky Thide of Sings / Shabazz)
5CD Edition
UPC 8122796921

JEAN-LUC PONTY: Original Album Series
(Upon the Wings of Music / Aurora / Imaginary Voyage / Enigmatic Ocean / Cosmic Messenger)
5CD Edition
UPC 8122796920

MICHAEL FRANKS: Original Album Series
(The Art of Tea / Sleeping Gypsy / Burchfield Nines / Tiger in the Rain / One Bad Habit)
5CD Edition
UPC 8122796919

TOWER OF POWER: Original Album Series
(Bump City / Tower Of Power / Back To Oakland / Urban Renewal / In The Slot)
5CD Edition
UPC 8122796831

VÖ-Datum: 1.2.2013

 


Kontakt:
Stefan Michel
040 – 5149 1467
E-Mail



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