PATRICIA BARBER

PATRICIA BARBER "Smash"- VÖ: 22. Februar 2013

Mit ihrer lakonischen, immer etwas unterkühlt wirkenden Stimme und dem glühenden femininen Intellekt, der sowohl ihre Musik als auch ihre Lyrics durchdringt, lässt Patricia Barber die Mehrheit ihrer zeitgenössischen Kolleginnen wie kleine Mädchen klingen. Auf "Smash", ihrem mittlerweile zwölften Album (das zugleich das Debüt für ihr neues Plattenlabel Concord Records ist), beweist die 57-Jährige erneut ihre drei herausragenden Talente: als einfallsreiche Pianistin, aufregende Sängerin und innovative Komponistin. Mit einem Dutzend neuer Kompositionen setzt sie ihren 1989 begonnenen Kreuzzug fort, um das Terrain zurückzuerobern, das Jazzmusiker einst an Pop- und Rockstars verloren: die Domäne der intelligenten und engagierten Singer-Songwriter, die auch geläufige Themen wie Liebe und Verlust nuancierter und tiefschürfender angehen, als dies in den allermeisten Stücken des "Great American Songbook" der Fall ist. Auf "Smash" stellt sie zudem die Mitglieder ihres neuen Chicagoer Quartetts vor, das sich aus einem fantastischen Rhythmusgespann mit Bassist Larry Kohut und Schlagzeuger Jon Deitemyer sowie dem atemberaubend schneidigen Gitarristen John Kregor zusammensetzt.

Ein exzellentes Beispiel für Barbers ungewöhnliche Songs ist das Titelstück, in dem die Sängerin das Ende einer Liebesaffäre beschreibt und dabei auch Bilder vom verfallenden Gebäuden oder einem blutigen Autounfall heraufbeschwört. Mit einem konventionellen Songtext haben ihre Zeilen nur wenig gemein, wenn sie singt: "the crumbling of tall castles built / on kisses and blood / and dreams so like sand." In der Reprise von "Smash" vergleicht sie "den Klang eines brechenden Herzens" mit "dem Klang des Roten auf der Straße". Unterstrichen werden ihre provozierenden Vergleiche durch ein rohes, kraftvolles Gitarrensolo, das so gar nicht in einen Jazzrahmen past.

"Ich habe gerade herausgefunden - so wie das jeder tut, dem ein großer Verlust widerfährt -, dass Außenstehende davon nichts mitbekommen", erläutert Barber die Entstehungsgeschichte des Titelstücks. "Man geht zu einem Lebensmittelgeschäft und alles ist wie immer. Das ist erschreckend. Da ging mir plötzlich auf, dass dies der Klang eines brechenden Herzens ist: Stille. Man ist allein. Und ich fand, dass dies eine interessanter Kontrast ist, denn der Klang eines brechenden Herzens sollte die lauteste, schreiendste, schrillste Kombination von Klängen sein, die es gibt."

Mit "lauten, kreischenden" Emotionen beschäftigt sich Barber auch noch in einem weiteren Song: der trägt den Titel "Scream", hat aber paradoxerweise eine sanfte, ruhige Melodie, die über die Botschaft des Lieds hinwegtäuscht. "Scream / when Sunday / finally comes / and God / isn't there... the soldier / has his gun / and the war / isn't where / we thought it would be." Mit einem leisen Anflug von Sarkasmus meint Barber im Gespräch: "Es ist ein wütendes Lied - und die Leute verlangen wollen dies so."

Im eingängigen Song "Devil's Food", den Barber aus ihrer Perspektive als lesbische Frau schrieb, macht sie ihrem Zorn auf neckischere (aber letztendlich nicht weniger nachhaltige) Weise Luft: "boy meets boy / girl meets girl / given any chance / to fall in love / they do . . . / like loves like / like devil's food / like chocolate twice / I'm in the mood / for you . . . ."
Das Lied ist ihre Reaktion auf die zahlreichen politischen Versuche, homosexuellen Ehen in den USA einen Riegel vorzuschieben. "Es hat mich verrückt gemacht und dazu angestachelt, eine Erklärung abzugeben - aber auf eine spielerische Art", sagt sie. "Die beste Weise, Leuten seine Ansichten näherzubringen, ist, wenn man sie umgarnt - und mit Musik erreicht man das immer. So schaffe ich es, viele Leute dazu zu bringen über viele Dinge nachzudenken. Die Texte sind zwar ziemlich eindeutig (etwa mit Passagen wie ‘sweet on sweet, meat on meat'), aber die Musik ist so betörend, dass sie die Leute einnimmt.
Es ist wirklich lustig, die Reaktion des Publikums zu beobachten, wenn ihm klar wird, dass die Nummer zu einem homosexuellen Disco-Song wird - die Leute reagieren überrascht und größtenteils begeistert."

Keine Frage: Patricia Barber wagt sich auf thematische Gebiete vor, die andere Jazzsängerinnen und Songschreiberinnen weitgehend meiden. Wie die New York Times einmal konstatierte, schreibt sie "smarte Songs darüber, wie wir denken und leben, und nicht nur darüber, wie wir lieben." Und auf ihrem neuen Album "Smash" ist ihr das wieder einmal ganz ausgezeichnet gelungen.

Musiker: Patricia Barber - vocals & piano / John Kregor - guitar / Larry Kohut - bass / Jon Deitemyer - drums


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