Nils Wülker

NILS WÜLKER - “Just Here, Just Now” - VÖ: 14. September 2012

Im Leben ist es wie mit der Musik: Manche finden, früher wäre alles besser gewesen. Andere meinen, das Beste käme erst noch. Dabei funktioniert es in beiden Fällen und für alle gleich: Nur hier, nur jetzt. „Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit“, heißt es in einem Goethe-Aphorismus. Wenn Nils Wülker sein wunderschönes siebtes Album „Just Here, Just Now“ nennt, hat das allerdings weniger mit Philosophie und überhaupt nichts mit Esoterik zu tun. 

Der Trompeter und Komponist, der sich als instrumentaler „Songwriter“ und „Storyteller“ sieht, versteht das Prinzip des Moments ganz konkret. „In meiner Musik geht es um Klarheit und eine Einfachheit, die ohne Umschweife ehrlich ist“, sagt der 34-jährige. „Ich nenne es „Soul“, nicht im Sinne des Musikstils, sondern eher als eine Art „beseelter Wahrhaftigkeit“ – und meine Musiker und ich haben es uns zum Ziel gemacht, diesen „Soul“ in jedem Moment zu Musik zu machen und in jede Note zu legen.“ Diese Eigenschaft findet sich sowohl in den komponierten als auch den improvisierten Teilen, die sich in ihrer melodischen Qualität kaum unterscheiden. Die andauernde Inspiration des Augenblicks und die Kraft der Melodie sind zentrale Themen von Wülkers Musik und vielleicht eines der Geheimnisse seines außergewöhnlichen Erfolges: Keinem anderen Jazzmusiker seiner Generation ist es gelungen, so konsequent seinen eigenen Weg zu gehen, keiner sonst spielt nach wie vor, ausschließlich und mit so großem Anklang bei Kritikern und Publikum nur Eigenkompositionen – mit seiner eigenen Band oder auch, wie im letzten Jahr vermehrt, im Duo mit dem Gitarristen Arne Jansen oder als Leader und Komponist des hochkarätig besetzten „Jazz Baltica Ensembles“ im letzten Sommer. Es ist so bemerkenswert wie konsequent, dass Nils Wülker seine Musik außerdem seit sieben Jahren auf seinem eigenen Label EAR TREAT veröffentlicht. Wenn dieser Wahlhamburger, der in seiner Freizeit auch ambitionierter Kletterer ist, etwas macht, dann richtig. „Beim Klettern und auf der Bühne lasse ich mich ganz auf den Moment ein“, sagt Nils Wülker. „Natürlich bereitet man sich vor und denkt auch mal an den nächsten Überhang oder das folgende Stück – aber vor allem erlebt man hellwach, was man gerade tut.“ Seine Begeisterung für die Bergwelt gibt er als ausgebildeter Kletterlehrer auf Führungen durch alpine Felswände auch an andere weiter.

Es ist kein Widerspruch, dass dieser instrumentale Geschichtenerzähler die zehn instrumentalen Eigenkompositionen seines neuen Albums sorgfältig vorbereitet, arrangiert, geplant und erarbeitet hat, bevor er sie an nur drei Tagen im VOX-Klangstudio in der Nähe von Hamburg mit seiner neu besetzten Band eingespielt hat: mit dem Leader an Trompete und Flügelhorn, Arne Jansen an Gitarren, Lars Duppler am Flügel, Edward Maclean am Kontrabass und Benny Greb am Schlagzeug. 

Es ist ein neuer, organisch gewachsener und vielleicht auch erwachsener Sound, der sich durch diese sehr unterschiedliche Momentaufnahmen zieht und hilft, sie in diesem Zusammenhang zu einer großen Geschichte abrunden – von freudestrahlend bis melancholisch, vom entspannten Opener „Lakeside“, der das Album mit Wülkers warmem Flügelhorn-Sound eröffnet, über beschwingte Hymnen wie „Goodbye Sorrow“ oder „September Skies“ bis zu „High and Rising“, diesem dramaturgisch spannenden Aufstieg in immer euphorischere Höhen, bis zum walkend-swingenden „Itchy Feet“ oder „Farewell“, einem wunderbar emotionalen und spannenden Abschiedslied. Die atmosphärische Musik lässt Nils Wülkers Stimme auf dem Instrument viel Raum, klare Geschichten zu erzählen. Doch ihre Interpretationen sind jedem Zuhörer selbst überlassen. „Das ist eine große Stärke instrumentaler Musik“, meint Nils Wülker. „Natürlich weiß ich, warum ich ein bestimmtes Stück geschrieben habe und verbinde ganz eindeutige Dinge mit einer Melodie. Aber ich würde nie einem Zuhörer widersprechen, der zum Beispiel eine Komposition, die für mich eher positive Assoziationen hat, als anrührend empfindet. Oder umgekehrt. Schließlich mache ich die Musik nicht nur für mich, sondern vor allem damit sie gehört wird.“ Nils Wülker mag einer der großen Melodiker des zeitgenössischen Jazz sein, einer, in dem man den Poeten als Melodienschreiber, als Arrangeur und vor allem durch seinen prägnanten Ton an Trompete und Flügelhorn entdeckt. 

Doch bei aller lyrischen Träumerei lebt Nils Wülker im Hier und Jetzt. Just Here, Just Now.

Musiker:
Nils Wülker - Trompete & Flügelhorn / Arne Jansen - Akustik- & E-Gitarren / Lars Duppler - Flügel & Hammond Orgel / Edward Maclean - Kontrabass / Benny Greb - Schlagzeug & Percussion

Songs:
1. Lakeside / 2. Goodbye Sorrow / 3. Walking on Air / 4. Just Here, Just Now / 5. Today`s Gravity / 6. September Skies / 7. High and Rising / 8. All We Need / 9. Itchy Feet / 10. Farewell

All music composed by Nils Wülker

Produced by Nils Wülker


Erste Tourdaten – weitere folgen:

25.10. Berlin, A-Trane
26.10. Hamburg, Überjazz
30.10. Dortmund, Domicil
07.11. Köln, Stadtgarten
08.11. Regensburg, Jazzclub
09.11. München, Unterfahrt 

2013:
21.02. Osnabrück, Lagerhalle
25.02. Bonn, Harmonie
26.02. Münster, Hot Jazz Club
27.02. Kiel, Kulturforum
28.02. Worpswede, Music Hall
22.03. Stuttgart, Bix


Kontakt:
Sabine Beyer
040 – 5149 1466
E-Mail



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