CAROLINE HENDERSON

 „Jazz, Love & Henderson“ -  VÖ: 20. April 2012

Caroline Henderson, hmm, klingt irgendwie nach Jazz, der Name. Vater ein amerikanischer Jazzschlagzeuger, sie in Stockholm geboren, irgendwann in die USA gezogen, Popsängerin geworden, dann ein komplettes Album mit wirklich echten Discosongs aufgenommen, in Dänemark ihre Zelte aufgeschlagen…halt, halt, halt! Was daran ist denn nun wahr? Ganz einfach: alles. Seit 2003 aber, wir kommen zurück auf den ersten Satz, agiert Caroline Henderson als Jazzsängerin, und wer in Kopenhagen jemanden nach ihr fragt, wird in so strahlende Augen blicken wie in Amerika (und auch anderswo) bei Nennung von Namen wie Louis Armstrong oder Shirley Bassey.

Gutes Stichwort übrigens, der letztgenannte Name. Manche der wunderbar klar und niemals überladen arrangierten Songs von Caroline Henderson erinnern nämlich an die Klassiker jener Frau, die in den Sechzigern zu einem unverwechselbaren Stil eben deshalb fand, weil sie so lässig und zugleich eindringlich sang wie Henderson das heute auch tut. Weshalb Songs wie „Incorruptible“ unwillkürlich auf einen neuen James Bond hoffen lassen und der (tatsächlich) „Trilingual Lovesong“ eine amerikanisch-schwedisch-dänische Lovestory in Technicolor ins Leben rufen könnte. Kaum jemand errichtet so schwungvolle Brücken von der Filmmusik der frühen Sechziger in die hippen Jazzclubs des Hier & Jetzt wie Caroline Henderson, fast niemand lässt sich dabei derart „swinging & irresistible“ von mal puristisch kleinen, mal charmant großen Besetzungen begleiten. 

Caroline Hendersons lässige Souveränität hat durchaus Gründe, es hört sich nämlich oft sehr gut an, wenn eine Sängerin nicht mehr am Anfang ihrer Karriere steht und einen Background aufzuweisen hat, der in ihrem Fall glamourös und lebenserfahren zugleich genannt werden darf. 

Neben ihrer Arbeit im Music Biz nämlich moderiert die stilsichere Lady eigene TV-Sendungen, wirkt als UNICEF-Botschafterin, nahm 2011 von der dänischen Königin eine Ehrung als „Dame“ entgegen und hat bestimmt auch nicht so ganz nebenbei drei Söhne erzogen. All das ist ihrer Musik anzuhören.

Mit den Singer/Songwriterinnen des so genannten Nu Jazz teilt Caroline Henderson wenig, im besten Falle noch die Leidenschaft fürs Singen. Modernistische Verbeugungen sind ihre Sache nicht, weit lieber erinnert sie an die Geniestreiche eines Henry Mancini, ohne sich deshalb gleich im Retro-Dickicht zu verirren. Ihre so variantenreich gestalteten und instrumentierten Songs eint die Erkenntnis, dass eine wiedererkennbare und einzigartige Stimme wie die ihre in einem vielfarbigen und unterschiedlich temperierten Umfeld durchaus als unikate Konstante genügt, um Spannungsbögen über weite Strecken zu führen.

In „Time Is Forever Young“ etwa stemmt sich Caroline Hendersons Stimme ohne jede erkennbare Anstrengung gegen einen höchst zwingenden Beat, an anderer Stelle wieder lässt sie sich vom Flow ihrer exquisiten Musiker einfach aufs offene Meer hinaus treiben und bestimmt auch dabei noch nonchalant den Kurs. Und der kann manchmal durchaus in unerwartete Gewässer führen: Mit „Calamity Lane“ etwa beschreitet sie augenzwinkernd beinahe folkloristisches Terrain, „Falling Again“ ist fast der Prototyp einer mitternächtlichen Clubhymne, „From New York“ wiederum recherchiert heiter in den Sounds der Roaring Twenties und ankert dennoch im 21. Jahrhundert. Gemeinsam mit ihrer wunderbaren Band hat sich Caroline Henderson zudem in ungewöhnliche Rhythmen und in den überraschenden Wechsel derselben verliebt, was es dem geneigten Zuhörer noch ein bisschen leichter macht, sich seinerseits in die Songs der Dänin zu verlieben. Es kann nicht mehr wirklich lange dauern, bis der Rest Europas, bis der Rest der Welt sich an den Dänen ein gutes Beispiel nimmt und Caroline Henderson zu Füßen liegt. Am 28. Februar wird die schöne Chanteuse 50 Jahre alt, mit ihrem Album „Jazz, Love & Henderson“ macht sie sich selbst wie der ganzen Welt ein grandioses Geschenk. 

Tourdaten:

CAROLINE HENDERSON - 2012
2012-05-17    -     Elmau    -     Schloss Elmau
2012-05-18    -     Kassel    -     Theaterstübchen
2012-05-19    -     Hannover    -     Jazz Club Hannover
2012-05-20    -     Hamburg    -     Stage Club
2012-05-22    -     Berlin    -     blueroom Pfefferberg
2012-05-23    -     Dresden    -     Societatstheater
2012-05-24    -     München    -     Unterfahrt
2012-05-25    -     Innsbruck    -     Treibhaus
2012-05-26    -     Zürich    -     Moods im Schiffbau
2012-05-27    -     Freiburg    -     Jazzhaus
2012-05-29    -     Stuttgart    -     BIX Jazzclub
2012-05-30    -     Dortmund    -     domicil
2012-05-31    -     Mainz    -     Frankfurter Hof


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