RINGO STARR

Ringo 2012 – das ist der wunderbare Sound eines Mannes, den wir alle kennen und lieben und dessen Musik ganz maßgeblich von seinem eigenen Lebensweg beeinflusst wird: neun Songs, die seine Vergangenheit und seine Gegenwart gleichermaßen verkörpern. “Dieses Album zeigt mich und mein Schaffen, genau hier und jetzt”, erklärt Ringo. “Und dafür ist wohl niemand qualifizierter als ich!”

Eigentlich war die einzige Schwierigkeit an diesem Album der Titel. Ringo 2012 erinnert unweigerlich an sein Erfolgsalbum Ringo von 1973 und tatsächlich ist auf Ringo 2012 eine überraschende, neue Version von “Step Lightly” von Ringo und außerdem von “Wings” vom Album Ringo The 4th von 1978.

“Für eine ganz kurze Zeit wollte ich das Album Motel California nennen, wegen eines coolen Fotos von einem Motel in L.A., das ich hinten auf dem Cover haben wollte”, lacht Ringo. “Aber dann überlegte ich mir, dass mein langjähriger Freund und neuer Schwager Joe Walsh bereits auf einem guten Album mit einem ähnlichen Titel gewesen war. Dann tendierte ich zu Another #9, weil auf dem Album neun Songs sind. Und weil ein Cover von einem meiner alten Songs “Wings” drauf ist, fand ich auch Wings einen schönen Albumtitel. Paul hätte bestimmt kein Problem damit gehabt, wenn ich mein Album Wings genannt hätte, aber es hätte mit Sicherheit Leute gegeben, die auch das falsch interpretieren. Also ist es jetzt Ringo 2012, schlicht und einfach, wie ich es mag.”
“Ursprünglich kam mir die Idee mit 2012, weil der Azteken-Kalender für dieses Jahr das Ende der Welt voraussagt. Aber eigentlich will der Titel Ringo 2012 sagen, dass das Album mich – hier und jetzt – verkörpert. Alle meine letzten Alben sind Audio-Biografien und ich versuche, so gut ich kann, in der Gegenwart zu leben. Natürlich kann ich jederzeit in die Vergangenheit zurückgehen, wann immer ich will, aber ich lebe dort nicht. Ich versuche, den heutigen Tag zu genießen und nicht nächsten Mittwoch. Das ist Teil meines Charakters. Ich war schon immer mehr ein Optimist als ein Pessimist – so wurde ich einfach geboren.”

Ringo 2012 – erscheint am 10. Februar auf HIP-O/UMe Records und entstand unter Mithilfe von Starrs zahlreichen musikalischen Freunden wie z. B. Gitarrist Joe Walsh und Kenny Wayne Shepherd, Michael Bradford, Steve Dudas, Charlie Haden, Amy Keys, Kelly Moneymaker, Richard Page, Van Dyke Parks, Dave Stewart, Bruce Sugar, Benmont Tench, Don Was und Edgar Winter. Aber mehr als je zuvor liegt das Augenmerk auf dem kreativen Kopf Ringo, der Ringo 2012 genau wie Y Not im Jahr 2010 auch wieder selbst produziert hat. 

Ringo berichtet mit einem Lächeln: “Ich stieg früh aus dem Bett und überlegte, wer dieses Album am besten produzieren sollte. Dann sah ich in den Spiegel und da stand er. Ich denke, ich habe den besten Produzenten für mich gefunden. Wir machen Alben wieder in Echtzeit, anstatt Zeit zu verschwenden. Ich mag mein Arbeitstempo. Es ist die alte Geschwindigkeit. So habe ich damals auch gearbeitet und das hat gut funktioniert. Dank der neuen Technik muss ich nicht mehr in ein Studio gehen, sondern kann zu Hause arbeiten. Ich kann morgens mit Barbara eine Tasse Tee trinken und mit dem Hund spazieren gehen. Ich kann die Arbeit in meinen Alltag integrieren und das funktioniert ausgezeichnet.  Auf dieser Platte gibt es sehr viel Raum. Wenn ein großartiger Musiker wie Benmont Tench auf seiner Orgel oder Klavier spielt, dann soll er dafür Raum haben. Die letzten zwei Alben habe ich nicht so vollgestopft. Ich mag es offen und sparsam. Im Grunde ist das der ursprüngliche Charakter von Rock 'n' Roll, wenn man so will. Und letztendlich tanzte alles nach meiner Pfeife, denn ich bin der Drummer und ich mache die Ansage!”

Ringo 2012 – Track by Track:

ANTHEM – Ich hatte den Backing-Track fertig und dann kamen die ersten Worte: “This is an anthem of peace and love.” Aber ich hole sehr gerne andere Autoren dazu; nicht nur, weil sie andere Worte haben, sondern wenn ich ehrlich bin, haben die meisten auch mehr Struktur als ich. Mit Glen Ballard lief es super. Die marschierenden Füße auf “Anthem” sind von mir – das ist unsere Armee für Frieden und Liebe. Zwischendurch dachte ich, dass der Effekt von marschierenden Füßen vielleicht zu offensichtlich wäre und dass es vielleicht marschierende Flip-Flops sein sollten. Aber dann war ich doch zuversichtlich, dass es alle verstehen würden. Es stimmt schon, dass auch die ganzen frühen Beatles-Songs alle über die Liebe waren. Die Leute lieben Liebe.

WINGS – Diesen Song hatte ich zum ersten Mal für Ringo The 4th aufgenommen. Damals bedeutete Album noch Vinyl. Aber die Zeiten haben sich geändert und ich wollte mich schon längere Zeit noch mal mit diesem Song beschäftigen. Ich habe “Wings” mit Vinnie Poncia in New York geschrieben und er weiß noch nicht, dass ich das hier gemacht habe. Ich werde ihn überraschen und es ihm schicken. Ich habe Joe Walsh eingeladen darauf zu spielen. Er ist der Beste. Joe gehörte schon zur Familie, bevor er mein Schwager wurde, aber jetzt kann er nicht mehr nein sagen. Ich bin auch auf Joes nächster Platte, falls  die jemals fertig wird. In den letzten zwei Jahren habe ich viel Reggae gehört und das merkt man diesem Album an. Was soll ich sagen. Ich werde von meiner Umwelt geformt. Ich habe die Stimmung dieses Songs schon immer geliebt und ich freue mich, dass wir ihn endlich auf den Punkt gebracht haben.

THINK IT OVER – Peter Asher arbeitete an einem Tribute-Album für Buddy Holly anlässlich seines großen Geburtstags. Buddy ist zwar schon lange tot, aber er war einer unserer ganz großen Helden. Peter fragte mich, ob ich einen Track beisteuern würde. Ich sagte: “Ich nehme einen auf und entscheide dann, ob Du ihn haben kannst. Peter und ich sind uns seit Jahren immer wieder über den Weg gelaufen, seit er bei Apple war. Auf meinem Album Time Takes Time haben wir einen Track zusammen gemacht. Peter fand, dass 'Think It Over' perfekt für mich wäre, weil es ein Shuffle ist und damit kenne ich mich aus. Und damit hatte er recht.
Also gingen wir ins Gästehaus und nahmen den Track auf. Dann kam noch die Steel Drum dazu und das Endergebnis fand ich absolut fantastisch. Also sprach ich mit meinem alten Freund Peter und sagte: “Ich gebe Dir den Track, aber ich will ihn auch auf meinem Album haben.“ Sie legten die Stirn ein wenig in Falten, aber dann sagten sie okay.

SAMBA – Das ist der verrückte Track auf dem Album. Und wer wäre da besser für geeignet als mein alter Kumpel Van Dyke Parks? Wir sind seit 1976 befreundet und ich arbeite wahnsinnig gerne mit ihm zusammen. Er ist ein unglaublicher Autor und Arrangeur. Also saßen wir ungefähr eineinhalb Stunden zusammen und schrieben “Samba”. Das tolle an der Arbeit mit richtig großartigen Leuten ist, dass man nur eine Zeile braucht, wie “You'll always be Samba to me”, und schon ist der Stein am Rollen. Ich hatte den Track in seinen Grundzügen soweit fertig und dann kam Van Dyke mit einem relativ verrückten Arrangement daher. Aber es war eine Art göttlicher Wahnsinn. Zum Schluss half uns Steve Dudas, den Song etwas zu glätten und das Endergebnis funktioniert – und darum geht es doch. 

ROCK ISLAND LINE – Ich wollte meinen Wurzeln Tribut zollen. Bevor ich im Cavern Club auf Rory & The Hurricanes stieß, wo wir dann ernsthaft anfingen zu rocken, hatte ich in zwei Skiffle-Bands gespielt. Zuerst mit der Eddie Clayton Skiffle Group; und das war nicht mal sein Name! Er wohnte nebenan und er konnte spielen. Dieses Cover entstand also zu Ehren meiner Anfänge. Dank Lonnie Donegan wurde “Rock Island Line” einer der größten Hits Englands, aber zuerst kam der Song von Leadbelly. In Liverpool spielten alle Skiffle, weil es eigentlich nur ein oder zwei Akkorde waren, höchstens drei. Das konnte jeder hinbekommen. Ich habe Kenny Wayne Shepard kennen gelernt. Er ist ein großartiger Blues Gitarrist und der Song hat ja einige Blues-Elemente. Kenny spielt den Blues wirklich gut, vor allem für so einen jungen, gut aussehenden Blondschopf.

STEP LIGHTLY – Die Version von “Step Lightly” auf Ringo fühlt sich an wie ein 15 Minuten langes Stück. Damals hatten Richard Perry und ich so viele tolle Ideen. Zumindest dachten wir das. Zum Beispiel habe ich auf der ursprünglichen Version von “Step Lightly” gesteppt. Ich habe sogar Steppunterricht genommen bei einem Typen, der es von Gene Kelly gelernt hatte! Das hat mich damals extrem beeindruckt, aber es waren zu der Zeit auch viele Medikamente in Umlauf. Ich habe diesen Song schon immer geliebt, aber ich hatte das Gefühl, dass ich ihn jetzt noch besser machen könnte. Ich habe ihn gekürzt und einen leichten Reggae-Beat reingebracht. Außerdem hat der Song jetzt einen ordentlichen Groove, was teilweise Benmont zu verdanken ist.

WONDERFUL – Ich hoffe, dass das mein großes Valentinstagslied wird. Ich sehe eine große Werbekampagne vor mir. Für Schokolade. Bei “Wonderful” entstand wieder zuerst der Backing-Track, der mir schon sehr gut gefiel. Dann hörte ich, dass der großartige Autor Gary Nicholson in der Gegend war. Gary und ich hatten auf dem letzten Album “Peace Dream” geschrieben und der Song basierte auf einer einzigen Zeile von ihm. Diesmal erzählte er von einem Gespräch, dass er zufällig mitgehört hatte und eine der Personen sagte: “Selbst zu seiner schlechtesten Zeit war es wundervoll.” Von so etwas träumt jeder Songschreiber. Also nahmen wir diesen Satz und schrieben einen Song über mich und Barbara. “Wonderful” ist ihr gewidmet, denn sie ist wunderbar. Wir haben alle mal einen schlechten Tag, aber so lange sie in der Nähe ist, ist alles toll.

IN LIVERPOOL – Ich habe vor, meine ganze Geschichte in Liedern zu erzählen. Bisher habe ich drei solcher Mini-Geschichten: Eine in dem Song “Liverpool 8” und eine in “The Other Side of Liverpool” - beide zu finden auf Y Not. Und jetzt “In Liverpool”. Ich habe den Song mit Dave Stewart geschrieben und es geht darum, wie wir dort aufgewachsen sind und wie wir durch den Park gingen und es nicht immer bis zur Schule schafften. Das ist ziemlich oft passiert!
Mit ungefähr 18 Jahren spielte ich mit Rory Storm im Iron Door – das war ein toller Club. Toll und rough. Der Cavern Club ist ja mittlerweile jedem ein Begriff, also ist das ein neuer Blickwinkel auf eine Geschichte, die die Leute zu kennen glauben. Ich erzähle, wie es für mich war und frage gleichzeitig: “Wie war es für Euch?”  

SLOW DOWN – Das ist nicht der Larry Williams Song, den ich mit den Jungs aufgenommen hatte, sondern ein neuer, den ich zusammen mit Joe Walsh geschrieben habe. Ich hatte die Zeile “going up the 104” und Joe fragte “Wo ist die 104?”. Ich antwortete “das ist in Deinem Kopf, wo immer Du willst.” Ich hatte mir das nur ausgedacht, weil es sich reimte. Der Titel ist ein bisschen irreführend, weil der Song nicht langsam ist. “Slow Down” rockt – das passiert eben, wenn Joe und ich aufeinander treffen. Das Leben ist zu schnell. Ich habe mich ihm langfristig verschrieben. Wir haben den Wahnsinn der Sechziger überstanden und den Drogenrausch der Siebziger und Achtziger. Wir haben viele Leute verloren. Ich hatte Glück, am anderen Ende lebend rauszukommen, und Joe auch. Wir kennen beide das Leben auf der Überholspur. Aber der Traum entfaltet sich weiter, also passe ich auf mich auf, halte mich fit und gesund, und bin dankbar für diese zusätzlichen Jahre.

Erhältlich als CD, LP und CD/ DVD Version, mit Track by Track Kommentaren von Ringo Starr
Ab 10.02.2012


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