FRANZ JOSEF DEGENHARDT

Zum 80. Geburtstag: 64 traumhafte Lieder aus 45 Jahren

VÖ-Datum: 2.12.2011

   Es mag einige Rechtsanwälte geben, die auch mal ein Lied singen. Aber es gibt nur einen, der solche Lieder gesungen hat wie Franz Josef Degenhardt. 64 sorgsam ausgewählte dieser ebenso poetischen wie politischen Chansons aus den Jahren 1963 bis 2008 sind nun in der 4-CD-Box „Gehen unsere Träume durch mein Lied" versammelt, die jetzt eine umfassende Werkschau des womöglich wichtigsten deutschen Liedermachers ermöglicht.

    Es sind Lieder wie „Deutscher Sonntag", die den ganzen Muff, die spießige Borniertheit, die eher fröstelnd machende „Gemütlichkeit" der Nachkriegs-Bundesrepublik wortgewandt sezierten. Lieder, die  - bei allem direkten Zeitbezug - oft über ihre Zeit hinauswirk(t)en. So haben Erdmöbel, aktuell sicher eine der interessantesten Bands hierzulande, Degenhardt's „Ein schönes Lied" gecovert, das mit der nicht nur metaphorischen Figur des „gebrannten Kindes" bis heute Flüchtlingsschicksale überall auf den Punkt bringt (auch wenn es unter dem Eindruck des Vietnam-Kriegs entstand). Und „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern", das Lied vom Jungen aus besseren Kreisen, der doch gefälligst auch dort zu bleiben hat, mauserte sich über die Jahre sogar zum geflügelten Wort. Und fand dabei Eingang in die Werke so unterschiedlicher Künstler wie Helge Schneider („Katzenoma") und der Hip-Hop-Formation Anarchist Academy.

   Seine ersten Auftritte als Chansonnier absolvierte Franz Josef Degenhardt auf dem traditionsreichen Burg Waldeck-Festival, nachdem er seine Gitarre zuvor auch schon mal auf Polterabenden und Goldenen Hochzeiten gezupft hatte. Seine ersten eigenen Lieder gab er dann zunächst im Familienkreis zum Besten, bevor ein Tonbandmitschnitt der kleinen Hausmusik den Rundfunk hellhörig werden ließ. Degenhardt - Katholik und Cousin des 2002 verstorbenen Paderborner Kardinals Johannes Joachim Degenhardt - war bereits dreifacher Vater, als er 1965 mit seinem zweiten Album „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" endgültig ins nationale Rampenlicht trat. Damals promovierte Degenhardt gerade als Jurist am Institut für Europäisches Recht der Universität des Saarlandes in Saarbrücken mit einer Arbeit über „Die Auslegung und Berichtigung von Urteilen des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften". Bald verteidigte er vor Gericht auch Mandanten, die an Aktionen der Außerparlamentarischen Opposition beteiligt waren.

  Auch als Liedermacher wurde Franz Josef Degenhardt mit Stücken wie der Faschismus-Parabel „Wölfe Mitten Im Mai", „Väterchen Franz" (das dem dritten Album den Titel gab) und „So sind hier die Leute"  eine feste Größe der 68er-Bewegung zwischen Ostermarsch, Vietnamkrieg und Notstandsgesetzgebung. Und doch gingen viele seiner Lieder auch über bloße Barrikaden-Begleitmusik weit hinaus. Insofern ist es eher als Kompliment zu verstehen, wenn „Der Spiegel" damals in seiner Rezension über das vierte Album „Ein Senator erzählt" notierte, es wirke doch „allzu poetisch und fast schon unzeitgemäß."

    Seiner Zeit blieb Franz Josef Degenhardt mit seinen auch von Folk, Jazz und Talking-Blues inspirierten Liedern aber auch später auf der Spur, als sich die Zeiten spürbar wandelten und er längst seinen ersten, später auch verfilmten Roman („Zündschnüre") vorgelegt hatte - immer getreu seinem früh formulierten Credo: „Was ich singe, soll nicht erregend neu sein, es soll schön klingen."  So karikierte er dann den „Wildledermantelmann", der auf dem langen Marsch durch die Institutionen so manches Ideal verriet. Er schrieb mit „Die Ballade vom verlorenen Sohn" seine Schmuddelkinder-Thematik fort. Er bediente sich in der Hymne auf die unvergessenen US-Arbeiterführer „Sacco und Vanzetti" auch mal bei Ennio Morricone und Joan Baez („Here's To You"). Er interpretierte 1986 auf „Junge Paare Auf Bänken" auch mal ausschließlich Vorlagen seines Vorbilds George Brassens, des berühmten französischen Chansonniers, der leider schon fünf Jahre zuvor verstorben war.

   Auch jenseits der 70 konnte Franz Josef Degenhardt auf seinen letzten Alben wie „Quantensprung", „Dämmerung" und „Dreizehnbogen" seinen hohen Qualitätsstandard halten und wurde dabei auch von seinem Sohn Kai, auch als Co-Produzent, begleitet. Zum berühmten Schwelmer „Krächzen" (wie Degenhardt selbst sagt) verband er in Liedern wie „Kirschenzeit", „Sie ist den Wald gegangen" und „An der Quelle" die Melancholie und Milde der späten Jahre mit ungebrochenem Zorn und schöpfte dabei sein surreales Potenzial so weit aus wie kaum zuvor.

    Für „Jeder Traum", das der vorliegenden Werkschau den Titel gab, vertonte Degenhardt ein Gedicht von Louis Fürnberg und singt: „Ja, ich hab mein Schicksal längst beschlossen, als ich mich zum Widerspruch entschied. Wenn ich singe, Freunde und Genossen, gehen unsere Träume durch mein Lied." Damit fand sich Franz Josef Degenhardt 2008 sogar auf der Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik wieder, und das immerhin 38 Jahre nachdem er erstmals den Deutschen Schallplattenpreis entgegennehmen konnte. Schallplatten gibt es heute nur noch im Vinyl-Reservat. Franz Josef Degenhardt wird 80. Die Zeiten ändern sich - zumindest einige diese 64 Lieder werden immer (wieder) da sein.

    Einige seiner Kollegen und Bewunderer finden die passenden Worte um den Künstler Franz Josef Degenhardt begrifflich zu machen:

„Man könnte fast sagen, er hat das Liedermachen erfunden. Auf jeden Fall ist er unser aller Meister und wird es bleiben." Hannes Wader

„Ich habe ihn in den 80ern kennengelernt und war hingerissen von Anfang an. Für mich war und ist und bleibt er der Brassens der deutschen Zunge. Mit seiner verschmitzten Ironie, Herzlichkeit und seinem genauen Blick sang er mir aus dem Herzen, was vor allen Dingen in deutscher Sprache so bekömmlich war für die, die nach ihm kamen. Vor allem kam er mir nahe, weil er aus seiner Biographie sprach, was ich neben allem politisch Engagiertsein für unser Deutschland so treffend und nach all den Kriegen so wichtig fand. Das ist für mich persönliche Geschichtsaufarbeitung." Klaus Hoffmann

„Franz Josef Degenhardt hat mich mit seinen Liedern ein Leben lang begleitet. Seine Sicht auf die Welt und deren Gefahren, Verwerfungen und Schönheiten ergriff mein Herz und Gehirn." Gisela May

„Degenhardt bleibt Inspiration und Vorbild, der Altmeister unserer Zunft. Er hat unsterbliche Lieder geschrieben - und gerade als die große Welle der 60er abgeebbt war und danach, hat er seine politisch wichtigsten und meines Erachtens künstlerisch besten Werke abgeliefert.  Sein Werk wird bleiben. Keiner von uns kommt daran vorbei." Konstantin Wecker

„Ein brillanter Liederschreiber" Reinhard Mey

„Der Mann ist ein großer Poet." Ekki Maas (Erdmöbel)

Franz Josef Degenhardt:  Gehen Unsere Träume Durch Mein Lied

4-CD Edition

 

VÖ: 2. Dezember 2011


Kontakt:
Stefan Michel
040 – 5149 1467
E-Mail



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