5 Originals - Neue VÖ's

Kein Schnickschnack - nur ein bisschen großartige Musik: Das ist bekanntlich das Motto der Original Album Serie von Warner Music, die jeweils fünf klassische Werke eines Künstlers im Original-Cover versammelt. Gleich zwölf neue Zusammenstellungen liegen jetzt vor, zwischen Bossa Nova und Industrial, Metal und Disco-Funk, Show-Pop und großer Songschreiber-Schule. Es gibt viel zu hören, am besten man fängt gleich mal damit an....

BONNIE RAITT

Ihren ganz großen Durchbruch konnte die Tochter des US-Musical-Stars John Raitt zwar erst 1990 mit dem Grammy- und Multi-Platin- Album „Nick Of Time" feiern. Doch der Sprung in die US-Top 40 war Bonnie Raitt bereits 1977 mit „Sweet Forgiveness" geglückt. Zugnummer ihres sechsten Warner-Albums war die Single „Runaway", im Original schon ein Hit für Del Shannon, den die „ausdrucksreichste Sängerin der Welt" (Sounds) kräftig und frech auf R'B bürstete. Vom puristischen Blues ihres Frühwerks, der ihr 1972 immerhin den Rolling Stone-Ehrentitel „New Artist Of The Year" eintrug, hatte sich die begnadete Bottleneck-Gitarristin aber schon 1974 mit „Streetlights" emanzipiert. „Angel From Montgomery" interpretierte sie dabei so genuin, dass dieser John Prine-Song quasi zu einem ihrer Klassiker wurde, der bis heute immer wieder im Bühnenrepertoire auftaucht. Doch auch Songs von Little Feat („Fool Yourself"), Allen Toussaint („What Do You Want The Boy To Do?") oder Westcoast-Freund Jackson Browne ("My Opening Farewell") waren bei Bonnie Raitt auf Alben wie "Homeplate" gut aufgehoben. Auch „Green Light" erreichte 1982 die US-Top 40 - und überraschte viele Fans der ersten Stunde in Songs wie „Me And The Boys" mit einem frischen, aggressiveren Rock-Sound. Zudem trat Bonnie Raitt bei Stücken wie „Can't Get Enough" und „I Can't Help Myself" nun auch als (Co-)Autorin in Erscheinung.

PASSPORT

Als Klaus Doldinger Anfang der 70er-Jahre seine - in verschiedenen Besetzungen - bis heute aktive Band Passport ins Leben rief, wusste der zwischen Club-Sounds, Jazz-Workshops und Soundtrack-Arbeit bereits vielgereiste Saxophonist und Komponist vor allem, was er nicht wollte. Weder traditionell orientierten noch Free Jazz und schon garnicht „immer wieder „Body And Soul" spielen." Nein, Doldinger wollte „persönliche Musik machen, meine eigenen Originale erschaffen", und dabei noch technisch auf der Höhe einer Zeit sein, die mit Synthesizern und Delay-Effekten experimentierte. Der Vorsatz brachte bereits für das Passport-Debüt (mit dem jungen Udo Lindenberg als Schlagzeuger) spannende, melodiestarke Stücke wie „Uranus" hervor, die sich jeder schnellen Kategorisierung entziehen. Doch die Blüte der frühen Passport begann erst, als sich ab 1973 eine feste Besetzung herauskristallisierte. Das Schlagzeug von Curt Cress, der Bass von Wolfgang Schmid, die Keyboards von Kristian Schulze - sie prägten Alben wie „Handmade", „Looking Thru", „Cross-Collateral" und „Infinity Machine" genauso wie das Spiel und die Kompositionskunst von Klaus Doldinger. Stücke wie „Abracadabra", „"Tarantula", „Rockport" und „Ju Ju Man" lassen auch heute noch schnell erkennen, warum Passport damals neben Weather Report die einzige Band war, die Jazz und Rock wirklich zusammenführte.

CHARLES MINGUS

Gleich drei feste Repertoire-Ensembles verwalten heute sein musikalisches Vermächtnis - nur ein Indiz für den hohen Stellenwert des Bassisten, Komponisten und Bandleaders, der irgendwo zwischen Hard Bop und schwarzer Kirchenmusik zuhause war, aber nur 56 Jahre alt werden sollte. In Arizona geboren, in Los Angeles aufgewachsen, hatte Charles Mingus bereits etliche Platten aufgenommen, als er 1956 die wohl produktivste und kreativste Dekade seiner Karriere einläutete. Dabei steht das Album „Pithecanthropus Erectus" bis heute mustergültig für seine Fähigkeit, auf eine bestimmte Besetzung hin zu schreiben, in diesem Fall bluesorientierte Musiker wie Pianist Mal Waldron und den Alt-Saxofonisten Jackie McLean. Kern des Werks ist das teils frei improvisierte Titelstück, ein zehnminütiges Tongedicht um Aufstieg und Fall der Spezies Mensch. Für das Folgewerk „The Clown" fand Mingus in Dannie Richmond den Schlagzeuger, der mit ihm fortan eine der aufregendsten Rhythmusgruppen des Jazz bildete, bis zu Mingus' Tod 1979.  Der Humorist Jean Shepherd glänzt mit einer Standup-Einlage im Titelstück. „Blues & Roots" basierte auf einer Idee von Atlantic Produzent Nesuhi Ertegün und war 1960 der Beweis, dass der Blues „mehr kann als nur swingen" (Mingus). Das US-Fachblatt Downbeat hörte „vitale und wichtige Musik" (und vergab 4 Sterne). Mit „Oh Yeah" konnte sich Mingus schließlich auch als Pianist und Sänger profilieren - Titel wie „Wham Bam Thank You Mam" und „Oh Lord Don't Let Them Drop That Atomic Bomb On Me" halten was sie versprechen. Die fünf Stücke von „Tonight At Noon" kommen aus den Sessions für „The Clown" und „Oh Yeah", wirken aber nie wie beliebiges Stückwerk - statttdessen wieder „jede Menge Magie" (Allmusic), die sich zwischen Blues/Gospel-Bezügen, Hard Bop-Tempos und feinen Harmonien auf den Spuren Duke Ellington's entfalten kann.

ORBITAL

Das MixMag ermittelt in einer Befragung gerade den „größten Dance-Act aller Zeiten", und dabei dürften Orbital gute Chancen auf eine vordere Platzierung haben. Ganz groß waren sie vor allem in den 1990er-Jahren, als ihre Alben „Snivilisation", „In Sides" und „Middle Of Nowhere" mit innovativer elektronischer Musik spielend in die britische Top Ten tanzten. Die Brüder Paul und Phil Hartnoll hatten ihr Techno-Duo 1987 gegründet und seinen Namen der Ringautobahn M25 entlehnt, die auch als London Orbital bekannt ist. Auf den Raves, die drumherum abgingen, waren die Hartnolls Stammgäste, bald auch mit ihren eigenen Singles wie „Chime" und „Satan". 2004 lösten sich Orbital vorübergehend auf, um den Brüdern Solo-Projekte zu ermöglichen. Doch auch während dieser Auszeit blieb der Name Orbital in der Film- und Spiele-Welt präsent. So erklang ihr Stück „Tunnel Vision" beispielsweise im Film „Football Factory". Seit zwei Jahren sind Paul und Phil Hartnoll wieder gemeinsam zu Konzerten unterwegs und arbeiten derzeit auch an einem neuen Album. Das wird mit Flood (U2, Depeche Mode, Nine Inch Nails etc.) ein Mann produzieren, der Orbital möglicherweise noch mal eine interessante Sound-Kur verordnen wird. Da kann es nicht schaden, sich vorher noch mal den klassischen Hartnoll-Sound dieser fünf Originale anzuhören. 

X

Keine andere Band brachte das Lebensgefühl auf der anderen, unglamourösen Seite von Los Angeles Ende der 1970er, Anfang der 1980er so schlüssig, energiegeladen und dabei noch poetisch auf den Punkt wie X. Kleine Kostprobe: „Roses are red, violence is too, everyone knows, I'm painting the town blue..." Die filmreife Bar-Episode „Painting The Town Blue" ist auf ihrem vierten Album „More Fun In The New World" zu finden, das wie alle Vorgänger von Ray Manzarek produziert wurde (der als ex-Organist der Doors ja auch viel über dieses L.A.-Lebensgefühl wusste). Für „Ain't Love Grand" reichte er den Regie-Stab an Michael Wagener (Dokken, Great White) weiter, der für einen Schuss mehr Härte und Transparenz sorgte, ohne die Rockabilly/Blues-Basis der Band in Frage zu stellen. Bassist/Sänger John Doe, Sängerin Exene Cervenka, Gitarrist Billy Zoom und Drummer D.J. Bonebrake „machten aus Punk-Rock interessantere Dinge, als jede andere amerikanische Gruppe" (schrieb die New York Times) und konnten deshalb schon mit den ersten Alben „Los Angeles" und „Wild Gift" Stückzahlen absetzen, von denen die normale Indie-Band nur träumen konnte. John Doe ist heute immer noch sehr aktiv und hat gerade das vielgelobte Americana-Album „Keeper" vorgelegt - die Grundlage für seine Karriere legte er aber mit diesen fünf X-Originalen, die dem Zahn der Zeit locker trotzen.

DREAM THEATER

Viele Bands passen nur schwer in irgendeine Schublade. Aber nur wenige machen dann lieber gleich ihre eigene auf. So wie Dream Theater. „Progressive Metal" steht da drauf, was nur heißen soll, dass in ihrer Musik Elemente aus Metal, Prog-Rock und Fusion zusammenfließen wie sonst nirgends. Die New Yorker John Petrucci (Gitarre), John Myung (Bass) und Mike Portnoy (Schlagzeug) hatten schon Mitte der 1980er am Berklee College Of Music zueinander gefunden. Aber der Durchbruch gelang erst 1992, als für das zweite Dream Theater-Album „Images And Words" unter rund 200 Kandidaten in James LaBrie endlich der richtige Sänger für die Band gefunden war. Die Single „Pull Me Under" ging in die US-Top Ten. In die deutsche Top 20 schaffte es dann 1994 das Album „Awake", schon erstaunlich, bedenkt man, dass dieses Werk noch wesentlich komplexer, härter und auch düsterer ausfiel als der Vorgänger. Doch Dream Theater setzten fünf Jahre später noch mal einen drauf. „Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory" gilt als das opus magnum der Band. Für das Konzeptalbum über Brudermord, Hypnose und Wiedergeburt, das im Song „The Spirit Carries On" sogar einen Gospel-Chor aufbietet, ließen sich Portnoy und Petrucci u.a. von dem Film „Schatten der Vergangenheit" inspirieren. Ganz andere Quellen nährten dann 2003 das siebte Bandalbum „Train Of Thought", nachdem Dream Theater auf der Tour zuvor mal eben die kompletten Alben „Master Of Puppets" (Metallica) und „The Number Of The Beast" (Iron Maiden) gecovert hatten. Danach konnten sie ganz hart auch selbst - Metal rein, Prog raus aus der Schublade.

The Rascals

Als die Italo-Amerikaner Felix Cavaliere und Eddie Brigati ab 1964 mit dem Gitarristen Gene Cornish und Drummer Dino Danelli als The Young Rascals gemeinsame Sache machten, glaubte Amerika, endlich die Antwort auf die British Invasion und nicht zuletzt die Beatles gehört zu haben. Und lag damit gar nicht so falsch. Allerdings zeigte schon „Good Lovin'", im April 1966 ihr erster großer Hit, dass sich das US-Quartett aus New York/New Jersey doch stärker am schwarzen R'B orientierte, freilich ohne Pop-Appeal und Beat-Atmosphäre zu vernachlässigen. War das Albumdebüt „Rascals" noch komplett mit Coverversionen von Bob Dylan („Like A Rolling Stone") bis Wilson Pickett („In The Midnight Hour") bestückt, so schwamm sich das Duo Cavaliere/Brigati auf „Groovin'" auch als Songschreiber frei - und lieferte dabei mit dem wunderbaren Titelsong, „A Girl Like You" und „How Can I Be Sure" gleich noch Hits am Stück. Mit dem Album „Once Upon A Dream" wurde zwar das Young aus dem Bandnamen gestrichen, doch für die Charts hatten die Rascals etwa mit „People Got To Be Free" immer noch erstklassige Kandidaten. Dem Sog der Zeit konnten sie 1969 aber auch nicht länger widerstehen: „Freedom Suite" - natürlich ein Doppelalbum -  gefiel sich mit psychedelischen Exkursionen und ausladenden Instrumentals, die u.a. von Jazz-Gästen wie Chuck Rainey (Bass) und den beiden Saxofonisten King Curtis und David Newman bestritten wurden.

VÖ-Datum: 4.11.2011

5 Original Album Series

7 CD - Box(en)

Diverse Kat.Nr.


Kontakt:
Stefan Michel
040 – 5149 1467
E-Mail



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