CHRIS EVANS + DAVID HANSELMANN

Satte 33 Jahre ist es her, dass Synthesizer-Pionier und Filmkomponist Chris Evans und David Hanselmann (u.a. Triumvirat) zusammen eine echte Kultplatte aufnahmen: 1980 erschien das legendäre Album Stonehenge, das heute zu den meistgesuchten Alben der Rockmusik gehört. In vielen einschlägigen Foren findet man verzweifelte Postings von zahllosen Fans, die heute auf der Suche nach dem hochgelobten Meilenstein sind. Aber nun haben Suchen und Warten ein Ende! Am 7. Juli erscheint das Album Stonehenge, das 1981 auf dem Montreux-Festival mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnet wurde, in einer remasterten und erweiterten Neuauflage als CD und zum digitalen Download. Ein besonderer Leckerbissen für die alten und neuen Fans des Klassikers: Stonehenge erscheint mit vier zusätzlichen Tracks, die nicht auf dem Original waren!

Stonehenge dürfte zu den Höhepunkten eines Stils zählen, dessen Eckpunkte Alan Parson's Project, Emerson, Lake & Palmer, Focus und Yes bilden: Eine Weiterentwicklung des klassischen Progressive Rock, die sich die Soundvielfalt des Synthesizers zunutze machte und auf epischer Breite archaische und moderne Mythen zu Musik transformierten. „Ich wurde im Westen Englands geboren, ungefähr 20 Meilen nördlich von Stonehenge", erklärt Chris Evans. „Und als ich noch klein war, besuchte ich die Kultstätte im Sommer oft mit meinen Eltern. Damals konnte man einfach so hinfahren: Es gab keine Zäune, die das Gebiet eingrenzten (niemand verlangte Eintritt!), und man konnte sich einfach auf die Steine legen und unschuldig in diesem wundervollen Monument herumspielen, was viele Kinder auch taten! Und dann waren da die Lerchen. Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen."

„Nicht weit weg von Stonehenge gab es dann Avebury, das wahrscheinlich noch berühmter ist als Stonehenge", fährt Evans fort. „Riesige Steine umgeben das Dorf, das in der Nähe von Silbury Hill liegt. An manchen Tagen besuchten wir auch das Kloster von Glastonbury und stiegen den Tor hinauf, von wo aus wir bis Cadbury blicken konnten. Ich stellte mir immer vor, wie König Arthur sich auf die Isle of Glass zurückzog, um dort zu sterben, oder träumte davon, wie ich mit ihm gegen Lancelot kämpfte, nach dessen Verrat mit Guinevere. Diese Orte bilden die Basis für das Album Stonehenge, das nun remastert wurde. Und ganz egal, wie alt Du bist - Orte wie Stonehenge, Avebury, Glastonbury und sogar Avalon sind großartige Orte, um gigantische Settings zu schaffen, ein exotischer Himmel auf Erden, wo man für einen Moment seine Sorgen vergessen und einfach nur träumen kann."

In David Hanselmann, der in den Siebzigern als Gastsänger bei UFO und Colosseum, aber auch Country Joe McDonald und Canned Heat einschlägige Erfahrungen machte (und sogar als Nachfolger für Peter Gabriel bei Genesis im Gespräch war), fand Evans den perfekten Partner für das Stonehenge-Projekt, dem später noch das Album Symbols of the Seven Sacred Sounds folgte. Hanselmann teilte Evans Begeisterung für großangelegte Konzeptalben, zumal seine vielseitige Stimme wie geschaffen für die atmosphärischen Soundwalls einer mystischen Ideenwelt, wie Stonehenge sie darstellt, war. Dabei half die musikalische Wendigkeit des Duos, ein packendes Album zu konzipieren, das musikalisch von Höhepunkt zu Höhepunkt führt und den Mythos von Stonehenge mit der Geschichte um König Arthur verbindet.

„Es ist jetzt 30 Jahre her, dass wir Stonehenge / Chris Evans & David Hanselmann in den Europa-Studios in Friedrichsdorf aufgenommen haben", so Evans rückblickend. „Und es gibt uns immer noch, quicklebendig und voller Energie. Das ‚neue‘ Stonehenge, also die remasterte Version, wurde 2012 in Torsten Baders Bader Studios bei Stuttgart fertiggestellt. David und ich haben zwei Jahre daran gearbeitet, um es so zu modernisieren, wie wir es uns vorstellten."

Eine Arbeit, die sich gelohnt hat, zumal das Album vier neue Songs enthält, darunter die von David gesungenen Guinevere und Layamon's Prophecy sowie eine neue Version von Epilogue. Der Track The Isle Of Glass wurde von Beate Kynast mit einem großartigen Vocal-Arrangement ausgerüstet. Mit neu hinzugefügten Fiddle-Klängen, Backing Vocals und zusätzlichen Gitarrenspuren, bewegt sich Stonehenge zudem erneut auf der Höhe seiner Zeit.
Allen, die seit langem warten mussten oder eines der packendsten Prog-Rock-Alben nur vom Hörensagen kennen, sei nun also eine Einladung der 14 Titel ausgesprochen: Für eine Reise in die sagenumwobene Welt von Stonehenge.

STONEHENGE - From Then Till Now
Die Entstehung der Titel von Chris Evans, Track by Track- 30 Jahre danach:

1) Genesis - Auf dem Original-Stonehenge-Album war Genesis der sechste Song, bzw. der Opener für die zweite Seite der Vinylversion. Ich platzierte den Titel an dieser Stelle, denn ich betrachtete es als den Ursprung des christlichen Zeitalters und Orte wie Glastonbury, Cadbury und so weiter. Einige Fans bemängelten dies, weil der biblische Text der „Genesis" mehr oder weniger allem voraus geht, selbst dem Steinzeitalter. Nun also ist Genesis der erste Titel des Albums, so wie es im Text heißt: „In the beginning God created heaven and earth."

2) Sunrise - Ursprünglich war es der erste Titel auf dem Album. Wir hören zuerst eine Lerche am sehr frühen Morgen, und dann kommt aus der Entfernung der Fiddler des Teufels über die Hügel, um den Steinen eine spezielle heidnische Bedeutung zu geben. Übrigens verkörpert die Sonne in der musikalischen Symbolsprache den fünften Ton, die Dominante, der stärkste Schritt in der Tonleiter, abgesehen vom Grundton, der die Präsenz Gottes bezeichnet.

3) Salisbury Plain - Als ich ein Kind war, fuhren wir oft über die Ebene bei Salisbury nach Stonehenge. Der Teil der Ebene beginnt mehr oder weniger bei Devizes in Wiltshire, und zieht sich dann nach Süden bis Stonehenge hin. Ich saß auf dem Rücksitz im Auto und konnte sehen, wie die Sonne reflektierte und durch die Blätter der Bäume flimmerte. Ich fragte mich: Existiert der Teufel wirklich? Brachte er diese Steine aus Kildare hierher? Egal, es macht sehr melancholisch, wenn man irgendwo vom Regen überrascht wird, und ganz besonders im kahlen und trostlosen Salisbury Plain.

4) The Stones of Avebury - Avebury ist ein Phänomen. Diese riesigen Steine, diese Kreise und dann direkt in der Mitte das dörfliche Avebury. Die Henge wurden etwa 2500 vor Christus gebildet. Aber im späten Mittelalter wussten die Leute wenig über Archäologie, und es interessierte sie auch nicht. Sie haben sogar einige der Steine abgetragen, um ihre Häuser damit zu bauen, bevor William Stukeley im 18. Jahrhundert vermutete, dass die Steine zu den Druiden gehörten. Wenn Ihr Zeit habt, dann versucht, die ‚Straße‘ zu entdecken, die vom Norden her in den Circle führt - und hört dann David, wie er The Spirit of the Stones of Avebury singt.

5) Earth Magic - Als wir das Stonehenge-Album damals aufnahmen, war ich vollkommen fasziniert von elektronischer Musik - und das bin ich immer noch. Ich denke, die Leute im Steinzeitalter hatten ihre eigene ‚Erdenmagie‘ und benutzten die Steine vielleicht wie eine Art von Steinzeit-Gesundheitsdienst. Wirklich, eine Fähigkeit, die uns leider verlorengegangen ist. Unser Earth Magic ist so geblieben, wie es war, ich habe nur wenig Neues hinzugefügt.

6) Silbury Hill - Dies ist das nächste Phänomen: Silbury Hill. Warum existiert es? Niemand weiß das. Wir wissen nur, dass es so ähnlich gebaut wurde wie die Pyramiden, was bedeutet, dass es viel älter sein muss (etwa 4600 vor Christus) als Stonehenge oder Avebury. Es ist der größte prähistorische Hügel in ganz Europa. Als Kinder sind wir die Silbury Hills immer hinaufgeklettert. Und dann mussten wir wieder hinunterklettern. Mehr gab es da nicht zu tun. Aber die Atomsphäre ist wundervoll. Versucht es selbst, klettert einmal dort hinauf und schaut es euch an. 

7) Guinevere - Guinevere war die Herzens-Dame von King Arthur, aber sie verliebte sich in Lancelot. Keine gute Idee, zumal Verrat immer schmerzt. Alfred Lord Tennyson schrieb ein langes Gedicht darüber. Sehr zu empfehlen.

8) The Isle of Glass - Dies ist natürlich die Legende von Avalon (oder den Tor). Auf dieser mystischen Insel gab es keinen Donner, keinen Blitz oder irgendetwas anderes, was den Frieden stören könnte. Ich finde, dass die Melodie von Hildegard von Bingen (und Beates Arrangement) die Atmosphäre des Tor und die Tragödie der Situation zwischen Guinevere und Lancelot perfekt wiedergibt.

9) Glastonbury, Temple of the Stars - Glastonbury Abbey ist heute eine Ruine, dank Heinrich VIII. Hier befindet sich auch König Arthurs Grabstätte. Die Legende erzählt, dass Christus im Alter von 11 Jahren mit seinem Onkel Joseph von Arimathea hier war. Das Kloster wurde von Mönchen bewohnt, bis Heinrich VIII alles zerstört hat. Er hatte zwei der Mönche auf dem Tor hinrichten lassen, weil sie seine Scheidung nicht akzeptieren konnten. Außer der Atmosphäre in Glastonbury gibt es hier auch Josephs Heiligen Dornenstrauch, der jedes Jahr zur Weihnachtszeit blüht. Dann gibt es noch den Temple of the Stars, von dem behauptet wird, er sei um Glastonbury herum gelegen. Es heißt, dass es ein riesiger, in die Landschaft eingebetteter Sternzeichenkreis sei, eine Art Karte der Sterne im Himmel. Wunderbar okkulte Dinge, die zur Legende des Heiligen Grals und natürlich König Arthurs gehören. Erinnert Euch an das großartige Gedicht von William Blake: And did those feet in ancient time? Hubert Parrys Liedversion mochte ich nie besonders. Mir gefällt unsere Interpretation wesentlich besser, besonders, weil David sie singt. Glastonbury ist einfach großartig! 

10) Cadbury Castle, King Arthur's Camelot - Cadbury war eine Festung aus der Eisenzeit. War es Camelot? Es spielt keine Rolle, denn die Story und die Musik drehen sich um die Gegend um Cadbury herum, seine ländliche Atmosphäre, und die Texte um den Tod König Arthurs. Ich denke, Rockmusik passt ganz gut zu Arthur. Er muss ein ziemlicher ruheloser Mensch gewesen sein.

11) Lancelot & Guinevere - Arthur's Battle - Als wir Stonehenge aufgenommen hatten, war auf einer LP nicht genug Platz für alles. Jetzt haben wir genug Raum, um uns auch Arthur, Lancelot und Guinevere zu widmen. Wenn ich auf dem Tor stand, schaute ich für gewöhnlich Richtung Cadbury, lauschte den Lerchen und dachte über die sanft geschwungene Landschaft nach. Stellt Euch vor, wie die Pferde gegen den Feind preschen und der Kampf beginnt. Wo genau haben Arthur und Lancelot gegeneinander gekämpft. War es in England oder in Frankreich?

12) Epilogue - Dies ist eine neue Version des originalen Epilogue. Das Original war das einzige Stück auf dem Album, mit dem ich nie ganz zufrieden war. Also haben wir es neu aufgenommen, inklusive Vocoder.

13) Layamon's Prophecy - Layamons Worte (die im Epilogue gesprochen werden) sind faszinierend, finde ich. Dies ist eine Art Hommage an ihn.

14) Stonehenge Theme (Coda) - Hier sind wir also mehr oder weniger da, wo wir angefangen haben. Die Sonne geht auf (oder unter), und der Fiddler des Teufels verschwindet hinter dem Hügel - bis zum nächsten Mal.

Chris Evans & David Hanselmann: STONEHENGE - FROM THEN TILL NOW


CD
VÖ-Datum 19.7.2013


Kontakt:
Stefan Michel
040 – 5149 1467
E-Mail



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