MAX MUTZKE feat. monoPunk

Dimmen Sie das Licht ihrer Wohnstube, suchen Sie sich Ihr bequemstes Sitzmöbel aus, lehnen Sie sich zurück, schließen Sie die Augen, drücken Sie auf der Fernbedienung Ihres CD-Players auf „Play" und stellen Sie die Anlage so laut es Ihre Nachbarn gerade noch durchgehen lassen. Wir garantieren Ihnen: Drei Minuten später werden Sie sich fühlen, als säßen Sie auf einer Chaiselongue mitten im Konzertsaal. Jetzt dürfen Sie aufstehen, das Licht wieder einschalten und sich einen Drink aus dem Kühlschrank holen. Vermutlich kehren sie tänzelnden Schrittes und mit einem befreiten Lächeln auf den Lippen zurück an Ihren Couchtisch. Herrje, werden Sie denken, so etwas gibt es noch?!

Manche werden sich sogar erinnern, dass es so etwas früher mal ziemlich oft gegeben hat: Platten, die zwar etwas unoriginelle Titel wie „Live" oder „In Concert" trugen, die aber jeden Artisten erst adelten. „If you can make it there", so lautet die leichte Abwandlung eines Sinatra-Hits, „you'll make it anywhere". Und „there", das war die Bühne, das war - und ist - irgendwie das wahre Leben, ungeschminkt, ohne Netz und doppelten Boden, eine Art von Reifeprüfung. Nun gut, die hat Max Mutzke im Wortsinne zwar kaum noch nötig, und dennoch ist die Live-Umsetzung seines viel beachteten und bewunderten Jazz-Debüts „Durch Einander" zu einem Meisterstück geworden. Da macht es absolut gar nichts, dass auch dieses Album etwas schlicht einfach nur „Live" heißt.

Mutzke legt hier einen echten Kavalierstart hin, wenn er gleich mit der durchaus ein bisschen krude in den Souljazz übertragenen Coverversion „Telephon" von Ideal aus der Garderobe auf die Zielgerade einbiegt. Und selbst dann, wenn er, wie etwa mit Radioheads „Creep", das Tempo auf kleiner Flamme hält, schlagen ihm die Wogen aus dem Auditorium hörbar hoch entgegen. Mehr als nur ein wenig dessen, was jedes Konzert so unwiederbringlich, so unschlagbar, so „undownloadable" macht, überträgt sich selbst von der Tonkonserve ganz unverstellt auf den Hörer. Mutzkes Stimme ist noch ein Stück mehr „soulful" als sonst ohnehin schon, die Band nutzt den Freiraum des Liveclubs nach Kräften, die Versionen seiner Songs aus dem Studio lässt Mutzke live zu echten Unikaten wachsen.

Bereits bei den Aufnahmen zu „Durch Einander", so hatte Max Mutzke damals erzählt, sei es maßgeblich darum gegangen, „dass alle gemeinsam im Studio stehen und etwas erschaffen würden, eine komplette Live-Aufnahme quasi, es gab fast nur First Takes, es wurde so gut wie nichts nachträglich als Overdub eingespielt". Jetzt wurden diese Vorsätze endgültig zur Tugend: noch unverstellter, noch direkter und mit noch weniger Korrektur-Möglichkeiten trägt Mutzke sein Repertoire einem zu Recht oft atemlosen, zuweilen offenbar ungläubigen Publikum vor, bis schließlich sogar die renovierte Version seines Eurovision-Beitrages „Can't Wait Until Tonight" eher als Soulhymne denn als Remineszenz wahrgenommen wird.

Wer sich auf die Suche in der eigenen Plattensammlung macht nach vergleichbaren Alben einigermaßen vergleichbarer Künstler, stößt irgendwann auf die Livealben von Donny Hathaway, von Al Green, Bobby Womack und Johnny Adams. Große Namen, klar, aber es fallen einem dennoch schlicht keine kleineren ein. Wer sich angesichts dieses Albums die Frage stellt, weshalb Mutzke nicht längst an seinem eigenen Talent verzweifelt oder ob seiner scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten zum unerträglichen 'Egotripper' geworden ist, muss ihn bloß mal zu seinen Gedanken nach dem guten Abschneiden beim Eurovision Song Contest befragen, über den er eigentlich nicht mehr gerne redet. „Ich habe damals erstmal und nicht ohne Hintergedanken mein Abitur fertig gemacht", sagt Mutzke, „so ein Hype, dachte ich, muss nicht lange halten, vielleicht würde ich ja in zwei Jahren schon gar keine Musik mehr machen. Was ich unterschätzt hatte, war der Einfluss des Ruhms auf mein Ego, ich konnte mir schnell nicht mehr vorstellen, ein Studium anzufangen und noch mal die Schulbank zu drücken". Kurzes Räuspern, kurze Pause, „nicht etwa, weil ich mich für was Besseres hielt, sondern weil ich die Idee, zu einem ganz normalen Leben zurück zu kehren, für nicht in die Tat umsetzbar empfand". Wie schön, dass der 31-Jährige gerade jetzt das echte Leben „Live" auf ein Album gebannt hat. Lassen Sie sich bloß nicht stören, tanzen Sie ruhig weiter. Und immer weiter. Gleich klingeln die Nachbarn und wollen mittanzen.

Tourdaten:
14.03.13 Kreuztal, Stadthalle
15.03.13 Mainz, Frankfurter Hof
16.03.13 Minden, Jazz Club
17.03.13 Leverkusen, Scala
19.03.13 Braunschweig, Brunsviga
20.03.13 Bremen, Fritz Theater
21.03.13 Rostock, MAU
22.03.13 Zeitz, Capitol
19.05.13 Düsseldorf, Burgplatz
28.07.13 Edesheim, Schloßfestspiele
09.08.13 Dreieich, Burgfestival Dreieichenhain
20.09.13 Baunatal, Stadthalle


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Medienagentur
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